Text Block 2
In allen halbwegs realistischen Szenarien, die die Erwärmung der Erde wahrscheinlich unter 1,5 Grad Celsius halten, müssen die Emissionen spätestens im Jahr 2020 rapide zu sinken beginnen - doch das wird aus heutiger Sicht kaum passieren. Die Zeit für ambitionierten Klimaschutz läuft davon. Das ist natürlich besonders frustrierend, wenn man bedenkt, wie viel in dieser Zeit seit dem Beginn der Fridays-for-Future-Demonstrationen über Klimaschutz geredet wurde. Sie könne sich nicht über mangelndes Gehörtwerden beschweren, sagte Greta Thunberg auch in Davos: Sie werde die ganze Zeit gehört. Aber Hören ist eben nicht Handeln.
Und doch ist "praktisch nichts" eine sehr pessimistische Sichtweise. Denn es sind schon bemerkenswerte Dinge passiert in den vergangenen Jahren, vor allem in Anbetracht der Tatsache, wie wenig in den drei Jahrzehnten zuvor vorangegangen ist. Dutzende Staaten im Paris-Abkommen haben sich zu dem Ziel bekannt, bis 2050 CO₂-neutral zu werden. Die EU macht mit dem Green Deal Fortschritte und verhandelt über ein schärferes Klimaziel für 2030. Zahlreiche Staaten haben zugesagt, in diesem Jahr neue, ehrgeizigere Klimaziele zur Umsetzung des Paris-Abkommens einzureichen.
Natürlich taugen Ziele nur dann etwas, wenn man auch etwas tut, um sie zu erreichen. Ein Ziel allein spart noch kein Gramm CO₂. Aber andersherum fällt Klimaschutz auch nicht vom Himmel, er muss zuerst mühevoll ausgehandelt werden. Immerhin in dieser Hinsicht ist mittlerweile einiges passiert. Zu wenig, zu spät, das ja. Aber auch nicht "nichts" - zum Glück.

